Interview mit Petra Schellhorn, Deutscher Kanu-Verband e.V.

Befahrungsregeln – was hat es damit eigentlich auf sich?

Seit Anfang des Jahres findet Ihr auf SUPscout auch eine Übersichtskarte mit SUP Verboten bzw. Befahrungsregeln. Dort sammeln wir Gewässer auf denen das Paddeln und SUPen gar nicht oder nur eingeschränkt erlaubt ist. Aber warum ist das so? Und wer stellt die Befahrungsregeln eigentlich auf? Wir haben Petra Schellhorn vom Deutschen Kanu-Verband e.V. dazu befragt.

Petra, als DKV Ressortleiterin Umwelt und Gewässer musst du dich auch mit Befahrungsregelungen befassen. Bitte erkläre uns doch erstmal, was genau Befahrungsregeln überhaupt sind.

In Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, werden Regeln für die Befahrung von Küsten, Seen und Flüssen aufgestellt, damit der menschliche Einfluss auf Umwelt und Natur nicht zu groß wird. Bei größeren Wasserstraßen dienen die Befahrungsregeln auch zur Erhöhung der Sicherheit aller Wassersportler.

Es gibt also unterschiedliche Befahrungsregeln. Welche sind das und wie unterscheiden sie sich?

  • Betretungsverbote des Ufers und der Kiesbänke (z.B. in Naturschutzgebieten) dienen dem Schutz der empfindlichen Vegetation oder bodenbrütender Vögel.
  • Die Vergabe von Kontingenten bewirkt, dass nicht allzu viele Boote pro Tag das Gewässer befahren (Kanutouren vorher bei den zuständigen Stellen anmelden).
  • Tages- oder jahreszeitliche Regelungen beruhigen die Gewässer(umgebung) während der Dämmerung und der Brutzeit.
  • Mindestpegel-Regelungen schützen den Gewässergrund vor Beschädigung durch den Bootskörper (und den Bootskörper selbst auch).
  • Bei manchen Gewässern sind Bootsgröße und Bootstyp vorgeschrieben, ebenso kann eine Schwimmwestenpflicht vorliegen.
  • Zum Teil liegen ganzjährige Befahrungsverbote vor, wenn besonders schützenswerte Lebewesen das Gewässer bewohnen.
  • Bei einigen Gewässern wird aus ökologischen Gründen ein ganzjähriger freiwilliger Befahrungsverzicht empfohlen.

Wer bestimmt die Befahrungsregeln und aus welchen Gründen?

  • Die allermeisten Befahrungsregeln werden von Behörden (Land, Landkreis, Kommune) aufgestellt, um eine Übernutzung von ökologisch sensiblen Gewässern zu verhindern.
  • Darüber hinaus haben sich die Kanuten auch freiwillige Selbstbeschränkungen auferlegt, weil sie den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur zum Ziel haben.
  • Der Bund erlässt Verkehrsvorschriften für Schifffahrtsstraßen, denn diese dienen in erster Linie dem Gütertransport. Hier ist es unerlässlich, die genauen Regeln sowie Zeichen und Signale zu kennen, schließlich sind muskelkraftbetriebene Fahrzeuge (und somit alle Kanus) die schwächsten Verkehrsteilnehmer auf den Schifffahrtsstraßen.
  • Privatbesitzer (z.B. bei einem See) können eigene Regeln bestimmen.
  • Schließlich kann es vorkommen, dass bei Bauarbeiten (z.B. an Brücken) oder bei militärischen Übungen kurzfristig Gewässer gesperrt werden.

Welche Rolle nimmt der Deutsche Kanu-Verband ein?

Durch Verhandlungen mit Naturschutzbehörden konnten zahlreiche Ausnahmegenehmigungen durch den DKV und seine Landes-Kanuverbände erreicht werden. Alle Wasserwanderer werden um genaue Beachtung und um vorbildliches Verhalten in der Natur gebeten, um selbst keinen Anlass für weitere Sperrungen zu bieten.

Wo finden SUPer Informationen zu Befahrungsregelungen?

  • Der DKV ist (nicht nur) für alle Kanuten die erste Informationsquelle bezüglich der Gewässer und ihrer Befahrung. Hier lässt sich die aktuelle Übersicht der Befahrungsregelungen für Deutschland und elf europäische Länder downloaden.
  • Über aktuelle Regelungen und Informationen zum Thema SUP berichtet der SUP-Newsletter des DKV, der unter sup-news@deutscherkanuverband.de abonniert werden kann.
  • Informationen über die Verkehrsvorschriften auf Schifffahrtsstraßen sind bei ELWIS (Elektronisches Wasserstraßen Informationssystem) unter  zu finden.
  • Die Gewässerführer des DKV mit vielfältigen Angaben zu den Flüssen Deutschlands und Europas sind beim Kanu-Verlag, bei gut sortierten Kanu-Fachhändlern oder im Internet erhältlich.
  • Die im Sommer 2017 kommende DKV-Gewässer-App (für iPhone und Android) ist ein Paddel-Navigator, der auf die gesamte Gewässerdatenbank des DKV zugreift und aktuelle Befahrungsregelungen online zeigt.

Gibt es für SUPer gesonderte Regeln (oder müssen wir uns an die Regeln für Kanuten halten)?

Da SUP zu den Kanu-Disziplinen gehört, gelten sämtliche Befahrungsregelungen auch für SUPer. Mittlerweile ist bekannt, dass in einigen Gebieten spezielle SUP-Verbote erlassen werden sollen. Hier setzen sich die Vertreter des DKV dafür ein, einvernehmliche Regelungen für ALLE Kanufahrer (dazu gehören dann auch die SUPer) zu finden.

Und was geschieht, wenn eine Befahrungsregelung z.B. an einem Gewässer oder im Internet kommuniziert wird, aber nicht in den DKV Befahrungsregelungen aufgeführt ist?

Natürlich kann es immer sein, dass ein Gewässer nicht in den Befahrungsregelungen aufgeführt ist, weil es seit der letzten Aktualisierung der Regelungen gesperrt wurde. Solltet Ihr von Befahrungsregelungen oder gar Gewässersperrungen erfahren, die in der Auflistung nicht aufgeführt sind, bitten wir Euch daher um Übermittlung dieser Information an service@kanu.de (möglichst unter Angabe der Quelle).

Liebe Petra, vielen Dank für die ausführlichen Informationen und Erklärungen zum Thema „Befahrungsregelungen“. Wir hoffen, damit ist allen noch einmal deutlich geworden, wofür Befahrungsregeln dienen und warum es so wichtig ist, sie einzuhalten.

Fakten

  • Download Befahrungsregeln

    Die aktuelle Übersicht der Befahrungsregelungen für Deutschland lässt sich hier als PDF downloaden.

  • Übersichtskarte

    Unsere Übersichtskarte mit SUP Verboten & Befahrungsregeln findet Ihr hier. Wir freuen uns über Eure Ergänzungen.

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