Eco-SUP-Challenge

300 km – 7 Seen – 7 Tage – ohne Auto

Ivan Ureta ist Lang-Distanz-Paddler und bereitet sich gerade auf ein außergwöhnliches Projekt vor, bei dem er die Messlatte nicht nur sportlich hoch gehängt hat, sondern auch beweisen möchte dass man als SUP-Sportler seinen ökologischen Fußabdruck beim Reisen klein halten kann. Seine Message ist es, Abenteuer vor der Haustür und ohne lange Anreise zu realisieren – und vor allen Dingen dabei auch ohne Auto unterwegs zu sein.  

Ivan, wer bist du?

Ich bin Ivan Ureta, 45 Jahre alt. Ursprünglich komme ich aus Bilbao im Baskenland, ein Ort der dem Meer sehr verbunden ist. Bilbao ist in der ganzen Welt bekannt als Surf-Spot und für seine jahrhundertealte Seefahrertradition. Dennoch war ich zunächst nicht auf dem Meer sportlich aktiv, sondern in den Bergen als Felskletterer. Im Klettern habe ich auch an nationalen Wettkämpfen teilgenommen. Spanien habe ich 2002 verlassen und bin nach Peru gereist. Dort habe ich als Professor mit internationalen Organisationen gearbeitet und an verschiedenen Universitäten gelehrt.  Dort begann ich auch mit dem Surfen auf dem Pazifischen Ozean. 2006 bin ich dann in die Schweiz gezogen. Hier habe ich an verschiedenen Universitäten als Wissenschaftler im Fachbereich der Sozioökonomie und Entwicklung gearbeitet. Von 2009 bis 2011 habe ich in Großbritannien gelebt, wo ich an verschiedenen Unis gearbeitet habe. Danach bin ich wieder in die Schweiz nach Genf gegangen und darauf in das Sultanat Oman. Seit 2014 lebe ich nun dauerhaft in Minusio am Lago Maggiore. Hier arbeite ich als Professor für Internationale Wirtschaft und als Leiter der Führungskräfteausbildung im Management.

Wie bist du dazu gekommen auf einem Brett zu paddeln?

Mein erster Kontakt zum SUP war 2009 in Lugano. Da war der Sport gerade erst langsam am Kommen und noch nahezu unbekannt. Ich habe mir ein Soft-Board ausgeliehen von einem der Pioniere hier im Tessin, Yoann Hamonic. Mir hat’s gefallen! Seitdem paddle ich regelmäßig und intensiv, besonders nachdem ich nach Genf gezogen bin. Im Sultanat von Oman habe ich damit weitergemacht, auf dem Indischen Ozean. Seit meiner Rückkehr in die Schweiz 2014 paddle ich fast täglich ohne Unterbrechung.

Wie fühlt es sich im Hinblick auf deinen Sport für dich an in der Schweiz zu leben?

Die Schweiz ist ein großartiges Land mit wunderschönen Landschaften. Die Dichte an großen Seen, die von Gletschern gespeist werden ist beeindruckend. Nicht nur was die Wasserqualität angeht sondern auch im Hinblick auf ihre Umgebung. Ich lebe in Minusio, sehr nahe an Locarno und ich habe nur zwei Minuten Entfernung zum See. Da habe ich es sehr komfortabel. Der Lago Maggiore ist mein Spielplatz mit unbegrenzten Möglichkeiten über das ganze Jahr. Wir sprechen von einem See, der 66 km lang ist und die Schweiz und Frankreich verbindet. Im Winter fällt die Wassertemperatur auf 5 Grad, aber die Bedingungen sind super: sehr flaches Wasser und die Tiefe machen den See sehr schnell! Im Sommer steigt die Wassertemperatur auf 22 bis 23 Grad und das Landschaftsbild mit den überall präsenten Palmen verbreitet einen mediterranen Flair. An manchen Tagen frischt der Wind stark auf und bietet nahezu Downwind-Bedingungen. Abgesehen vom Lago Maggiore bietet die Schweiz den Bodensee, den Genfer See oder auch Seen mit spektakulärem Panorama wie den Brienzer und den Thuner See mit echtem alpinen Charakter. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich herausragend schöne und auch sehr zahlreiche Binnengewässer und ist daher perfekt für meinen Sport geeignet.

Du nimmst an SUP-Wettkämpfen teil und hast dich auf Langdistanzen spezialisiert. Was motiviert dich dazu?

ULTRA Langdistanzen sind nicht nur sportlich eine Herausforderung, sondern auch mental. Das reizt mich. Andererseits erlaubt es dir auch viele Orte aus einer anderen Perspektive zu erleben. 

Erzähl uns was über deine Eco-SUP-Challenge: Was ist das und was macht sie „Eco“?

Im Jahr 2008 bin ich mit meinem Fahrrad durch die Schweiz gereist, nur mit meinem Zelt und ein paar wenigen anderen Dingen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dir die langsame Geschwindigkeit ermöglicht, verschiedene Blickwinkel einzunehmen und dich selbst zu reflektieren.  Es ist eine Tatsache, dass unsere stressige Arbeitswelt und unser Lebensstil uns um die Möglichkeit bringt, uns selbst wahrzunehmen und in sich zu schauen. 

Diese Erfahrung möchte ich als Paddler nun wiederholen – ich  tausche das Bike gegen ein SUP und paddle alle großen Seen der Schweiz. Von einem See zum nächsten komme ich mit dem Zug. Ich möchte zeigen, dass es möglich ist, da wo man lebt, Abenteuer zu erleben und dabei sowenig Einfluss auf die Umwelt zu nehmen wie möglich.

Darüber hinaus leben die Hersteller die mich unterstützen auch eine hohe Achtsamkeit auf Umwelt, was mit meiner Vision von Nachhaltigkeit und dem maßvollen Verbrauch von Ressourcen in Einklang steht. Neben Lite Venture SUP gehören auch Coros Switzerland, Black Project, APSU, FAR und REACHA zu meinen Unterstützern. Großen Dank an Janick Knellwolf, Chris Freeman, Nick Moloney, Cristina Rickert and Micha Spisak. Alles in allem würde ich gerne andere dazu inspirieren, mehr über nachhaltigere Möglichkeiten nachzudenken und ihr Verhalten anzupassen. 

Du wirst draußen in einem Zelt schlafen, an den Ufern der Seen auf denen du dich bewegst. Hast du die Übernachtungsplätze vorher schon recherchiert oder schaust du einfach, wo du am Ende des Tages landest?

Ich habe mich bewusst für diese Variante der Übernachtung entschieden, weil beim Paddeln auf diesen Distanzen die Windrichtung und das Wetter entscheidend sind. Ich wollte so flexibel wie möglich sein, was das Schlafen anbelangt. Auch weiß ich noch nicht, wann in Anbetracht der Wetterbedingungen die beste Tageszeit zum Paddeln sein wird. Es kann sein, dass die Bedingungen in der Nacht besser sind und dann werde ich eben nachts paddeln. So bin ich total flexibel und kann einfacher auf die Wetterbedingungen reagieren. Freies Zelten ist in der Schweiz verboten und die Seen sind zumeist dichter besiedelt. Das Gute an der Schweiz ist, dass du an den Ufern sehr viele Campingplätze hast, das macht die Planung deutlich einfacher. 

Du wirst sicherlich nicht viel Zeit verbringen wollen, die Wegstrecke von einem See zum nächsten zurückzulegen, weil dir die Zeit auf dem Wasser vermutlich wichtiger sein wird? Wird es für dich schwierig, alles mit dem Zug zu transportieren?

Ach, ich glaube im Hinblick auf die nötige Erholung ist es sogar ganz gut, wenn die Zugfahrten ein bisschen länger dauern … Wie auch immer, die Wegstrecken in der Schweiz sind kurz und das Bahnnetz ist sehr gut. Die längste Strecke wird dreieinhalb Stunden beanspruchen. Meine Ausrüstung muss sehr leicht sein um möglichst effizient zu paddeln. Ich gehe davon aus, dass alles was ich dabei habe nicht mehr wiegt als 18 Kilo, Board inklusive. Um das alles zu transportieren verwende ich einen umgebauten Trolley von Reacha. Alle Züge in der Schweiz bieten viel Platz, so wird es kein großes Ding sein, das zu transportieren.

Normalerweis nutzt du ein Sunova Faast Pro Hardboard für die Teilnahme an Wettkämpfen und für dein Training. Das kannst du natürlich nicht mit in den Zug packen. Für welches Board hast du dich für dieses Projekt entschieden und warum?

Ja, ich paddle Sunova seit 2018. Ein 14er Board in einen normalen Zug zu bekommen geht nicht. Daher habe ich mich nach einem Inflatable umgesehen. Ich bin extrem performantes und verlässliches Material gewohnt, daher sollte das Board die bestmöglichen Eigenschaften bieten: Schnell, steif, robust gebaut und mit viel Platz um meine Ausrüstung ordentlich zu fixieren. Nach einer längeren Recherche bin ich auf Lite Venture SUP und das ULTRA Fast Inflatable mit der 14er Länge gestoßen. Ich war schnell überzeugt von seiner guten Verarbeitung, seinem Design, der Robustheit und seinem Potential für Schnelligkeit. Daher werde ich das Lite Venture Ultra Fast 14’0” x 28” nutzen. Myriam von Lite Venture SUP hat mich gerne bei meinem Vorhaben unterstützt, das das Projekt perfekt zum Boardkonzept passt: Schnell auf der Langstrecke mit der Option zu hoher Zuladung. Ich habe es ein paarmal genutzt und mich davon überzeugen können, dass es richtig steif ist und viel Platz für zusätzliches Gepäck hat. Das ist besonders wichtig auf Abenteuer-Touren, die mehrere Tage dauern. Außerdem sieht es auch noch richtig gut aus!

Auf was freust du dich am meisten während deiner Tour?

Meine Arbeit ist sehr stressig, ich habe viel Kontakt zu Menschen. Ich denke, ich werde am meisten die Einsamkeit genießen und auch, nicht den ganzen Tag über den Computer erreichbar zu sein.

Ich werde es auch genießen, etwas langsamer zu paddeln als sonst. Normalerweise paddle ich jeden Tag im Jahr und bin sehr intensive Trainings gewohnt mit Geschwindigkeiten von 9 bis 10 km/h. Diesmal wird es wichtig, im Kopf flexibel zu sein und den Weg wie einen Prozess aus vielen kleinen Schritten zu sehen, die aufeinander folgen. Jedes kleine Detail wird zählen und ich freue mich, darauf zu sehen, wie ich auf all die kleinen Dinge reagiere, die nicht vorhersehbar sind.

Ich freue mich auch darauf, lokale Paddler zu treffen, die ich gerne dazu einlade mich ein Stück zu begleiten und ein paar Kilometer mit mir zu machen. Ich freue mich, wenn es mir gelingt auch andere dazu zu inspierieren: Mikroabenteuer in der näheren Umgebung zu wagen, einen kleineren CO2-Fußabdruck beim reisen zu hinterlassen und Respekt vor der Natur zu spüren.

Ich freue mich auch sehr darauf, meine Familie (Anja und Nils) auf dem letzten Abschnitt der Strecke zu sehen, ohne deren Unterstützung dieser lang ersehnte Traum nicht möglich gewesen wäre.

Und gibt es auch etwas, das dir Angst macht?

Die letzten Wochen war das Wetter sehr unbeständig und schlecht. Die Seen und Flüsse haben einen hohen Pegelstand und ich gehe davon aus, dass diese ungewöhnlichen Bedingungen mein Abenteuer ein wenig härter machen werden. Ich mache mir auch Sorgen darum, ob ich in der Lage bin die Windrichtungen vorherzusehen, damit ich nicht etliche Kilometer gegen den Wind paddeln muss.

Wo können Menschen sich über den Verlauf deiner Unternehmung informieren?

Ich werde jeden Tag einen kleinen Bericht veröffentlichen mit Fotos und Kommentaren dazu. Wer meinem Account @ivanur08 auf Instagram folgt, wird das mitverfolgen können.

Vielen Dank dir und viel Freude auf deiner Tour!

Comment (1)

  • Lengefeld, Günter Reply

    Lieber Ivan,

    wir haben von Deiner außergewöhnlichen Expedition hiermit Kenntnis erhalten.

    Wir bewundern Deinen Mut und Unternehmungsgeist zur Vorbereitung und Durchführung, allein,
    300 km in 7 Seen in 7 Tagen mit Deinem Board in Stand up Paddling, als Lang – Distanz- Paddler, zu befahren .

    Deine Idee dabei, den ökonomischen CO2- Fußabdruck so gering wie möglich, zu halten ist vorausschauend und sehr zeitgemäß.
    Wir betrachten dieses Vorhaben als bespielgebend vor allen für junge Leute die eine sinvolle Freizeitgestaltung suchen und sich dieser Sportart, zu wenden sollten.
    Mit dieser Deiner gelungen Vorbildwirkung und Bewältigung Deiner Strecken hast Du das gesteckte Ziel erreicht.

    Wir gratulieren Dir herzlichst zu diesem Erfolg, bei dem auch deine liebe Familie dahinter steht und wünschen Dir viel Gesundheit und weiterhin viel Erfolg.
    Herzliche Grüße, Gisela und Günter, 25.07.2021

    25. Juli 2021 at 18:15

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