SUP Erlebnis: Bavarian Heartland-Tour

200km mit dem SUP durch Franken, Oberbayern und die Oberpfalz

Die Altmühl ist der langsamste Fluss Deutschlands. Das weiß man. Ihr Frühjahreshochwasser im Oberlauf speist Altmühl- und Brombachsee und wird im Sommer die Rednitz hinab gen Main geschickt. Das wissen manche. Was allerdings die wenigsten wissen: mit etwas „Pioniergeist“ lassen sich Fränkisches Seenland, Altmühl und ein Kleinod an vergessener Wasserstraße zu einer SUP-Tour durch’s oberbayerisch-oberpfälzisch-fränkische Grenzland verbinden. Aber der Reihe nach. Nach meiner 400km-Tour auf Rednitz, Regnitz und Main von Roth nach Aschaffenburg im letzten Jahr soll es 2018 an 5,5 Tagen 200km südlich von Nürnberg „im Kreis“ gehen.

Mit dem Zug Anreisende starten ihre Reise am besten von Ramsberg an der Südseite des Großen Brombachsees. Ich, mit Begleitfahrzeug gesegnet, setze am Freitagnachmittag meine 10,6er Allzweckwaffe in Enderndorf am nördlichen Ufer auf’s Wasser.

Windstill, sonnig und die Aussicht auf fünf weitere Tage auf dem Wasser: ein wenig Euphorie machte sich breit, als ich auf den Damm zusteuert und nach den ersten 2km in den Kleinen Brombachsee übersetzte. Die Ruhe auf dem See nur von zwei Segelbooten durchschnitten kletterte ich weitere 3km später über den Überlaufdamm bei Neuherberg in den Kanal des östlichen Brombachseeüberleiters. Wenn, wie zum Zeitpunkt meiner Befahrung im Mai, der See seinen höchsten Wasserstand aufweist und die Bäume, zum Teil im Wasser stehend, auf den nächsten 2,5km satt grün leuchten, kommt in diesem wenig bekannten Teil des Seenlands fast schon Amazonasstimmung auf. Am Überleitungstunnel angekommen heißt es dann aussetzen und 12-Euro-Rentner-Trolley-Spanngurtkonstruktion zusammenbauen. Der superleichte Eigenbau-SUP-Wagen überstand nicht nur die anstehenden 4km Waldwanderung, sondern über die gesamte Tour gut 20km unbeschadet (ohne SUP-Wagen ist die Tour nicht zu bewältigen). Am westlichen Einlass in den Überleitungsstollen angekommen, den wenig reizvollen Teil der Überleitung zum Altmühlsee gepaddelt (3km, 2 Umtragungen) begrüßt mich in Schlungenhof zuerst die MS Altmühlsee samt auf ihr probender Blaskapelle, bevor nach den ersten 15km das Feierabendbier im Wassersportlerkreis am Surfcenter Altmühlsee wartet. Gesprächsthema an diesem Abend ist auch das von den Landkreisen Eichstätt und Weißenburg-Gunzenhausen angekündigte SUP-Verbot auf der Altmühl „aus Naturschutzgründen“, nachdem die Fischereivertreter (zurecht) die Kanuautobahn im Altmühltal beklagt haben. Zwischenzeitlich konnten Thomas Pfannkuch aka SUPmatrose und der Autor in intensiver Medienarbeit erreichen, dass diese Idee auf Eis liegt – und hoffentlich nicht mehr auftaucht. Denn: dafür sind vor allem die 110km Altmühl bis Beilngries, für die der Naturpark Altmühltal Kanufahrern 6 Tage empfielt, zu schön. Ich nehme mir vor die Strecke in drei Tagen zu schaffen.

Am nächsten Morgen geht’s begleitet von kleinen Nebelschwaden – denen meiner Atemluft – an Gunzenhausen vorbei die Hochwasser führende Altmühl hinunter. Zu meiner Freude war somit wenigstens etwas Strömung unterm Board. Bis Bubenheim mähndert die Altmühl in zum Teil engster Weise langsam den Altmühl- aka Urdonautal entgegen, bildet aber zuvor eine für Vögel paradiesische Landschaft, die bisweilen an die Everglades erinnert. Hier ist vom touristischen Kanuboom nichts zu spüren. Als ich am Nachmittag nach 25km Treuchtlingen erreiche, ziehen von Osten bereits donnernd dunkle Wolken heran. Unter 30km am Tag sind zu wenig und für den nächsten Morgen sind auch Gewitter gemeldet. Also noch mal reinhauen. Weitere 7km später, in strömendem Regen, die Blitze unvernünftig nahe, klettere ich durch Brennesselbewuchs auf das Gelände des Campingplatz Pappenheim. Geschafft – im doppelten Sinne.

Um 13:30 Uhr hört es auch zu regnen und kurz darauf ist auch Christian, mein Drohnenpilot (vgl. Medienarbeit) wieder da. Vor mir liegt die landschaftlich schönste Etappe durch’s eng geschnittene Altmühltal, an der Steinformation 12 Apostel vorbei, durch Dolnstein bis Eichstätt. Mit 38 Kilometern ist die Strecke für einen „Nachmittagstrip“ jedoch sportlich bemessen. Nach 8 Stunden erreiche ich um 21:00 Uhr Eichstätt, das sich schon zuvor mit der Burg auf dem Frauenberg beeindruckend ankündigt, paddle an einigen verdutzten Passanten durch die im Abendrot beeindruckende Kulisse der alten Bischofsstadt und bin froh kurz darauf am Campingplatz unterhalb der Aumühle mein Tagesziel erreicht zu haben.

Nach Eichstätt wird das Altmühltal weit. Noch immer begleitet mich traumhaftes Wetter. Sonne und Fluss schimmern um die Wette. Nach den ersten 10 „Aufwärmkilometern“ wartet Thomas in Walting auf mich – und nutzt die Burgruine Rieshofen wenige Kilometer flussabwärts gleich zum ausgiebigen Fotoshooting; Blogger halt. Nervig an diesem Montag ist, dass viele Menschen von der geplanten SUP-Verbotsverordnung in der Lokalzeitung gelesen haben. Wiederholt müssen wir Aufklärungsarbeit leisten, dass wir hier (noch) keinen zivilen Ungehorsam begehen. Dies mindert ein wenig die tollen Eindrücke, etwa Arnsbergs samt den Ort überragender Burg und Felsen. Nach 20km verlässt mich Thomas im beschaulichen Örtchen Ilbling unweit der A9. Die restlichen 11 Kilometer bis zum Campingplatz Beilngries kämpfe ich mich – wie die letzten Tage herrscht auch heute Gegenwind – alleine voran; denn wieder grüßen die Gewitterwolken. Da diese sich verziehen, genießen mein persönlicher „Shuttlebunny“ Sabrina und ich den lauen Sommerabend bei Pizza und Eis, bevor wir uns voll und platt eine „Hobbitnacht“ im Schlaffass gönnen.

Nach den Feiertagen und Sabrinas Abreise am Morgen bin ich die letzten zwei Tage auf mich allein gestellt; und wieder hat der 12€-Boardwagen seinen großen Auftritt. Nach 1,5km Morgenpaddeln ziehe ich mein Board das Flüsschen Sulz entlang 2,5km hinauf zum Main-Donau-Kanal und erspare mir so den 15km Bogen über Töging. Am neu und interessant gestalteten Kanalmuseum in der Gößelthalmühle und der Abtei Plankstetten vorbei, eine der großen MD-Kanal-Schleusen umtragen, erreiche ich nach 7,5 km und nur zwei Schiffsbegegnungen die Gluck-Stadt Berching und damit die Oberpfalz; Zeit für Mittagessen. Das Board durch den Volksfestmarkt gerollt erreiche ich den historischen Berchinger Hafen am Ludwig-Donau-Main-Kanal.

Bereits 1836 bis 1846 im Aufrag des bayerischen Königs Ludwig I errichtet, verband der 172 km lange Kanal mit zum Teil beeindruckenden Ingenieursleistungen (Trogbrücken, Dämme, Bergeinschnitte) erstmals erfolgreich die Nordsee mit dem Schwarzen Meer. Ein über 1000 Jahre alter europäischer Traum wurde wahr, verfiel aber nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde später durch den Frankenschnellweg bzw. den Main-Donau-Kanal überbaut. Zwischen Berching und Nürnberg blieb der Kanal allerdings auf rund 60 Kilometern erhalten – wenngleich oft durch Straßen etc. durchschnitten. Seit über 70 Jahren fand auf dieser Strecke keine durchgehende Befahrung mehr statt. Sie mit dem SUP von Berching bis Wendelstein (ca. 50km) zu wagen, ist das anspruchsvolle Vorhaben der letzten 1,5 Paddeltage. Nach diversen Ein- und Ausstiegen ohne Ausstiegsmöglichkeit und zwei nervigen Umtragungen bei Mühlhausen aufgrund des Baus einer Umgehungsstraße erreiche ich am frühen Abend den alten Hafen in Neumarkt. Anders als im Seenland hat man auf dem Alten Kanal in Neumarkt als SUPer noch Alienstatus; tolles Gefühl, die Menschen zu überraschen! Leider beginnt ab Neumarkt – das stehende Gewässer hat sich in der letzten Woche erwärmt – ein Teppich aus schleimigen Algen, durch den – dort, wo er geschlossen ist, auch mit Flussfinne kein Durchkommen ist. Bis Richtheim kämpfe ich mich an diesem Abend durch schmale, nicht veralgte Rinnen.

Der nächste Tag beginnt mit einer 2km Wanderung mit Boardwagen. Der Algenbewuchs lässt kein Einsetzen zu. Ab Berg wird es besser, so dass ich schon kurz darf über den Kettenbacher Damm, durch den Unterölsbacher Einschnitt und am in Schwarzenbach vor Anker liegenden Treidelschiff Elfriede vorbei bis zur Schleuse 35 bei Burgthann paddle. Beim Pausenweizen steht fest: bei 24 Schleusen auf 8,5km spanne ich lieber wieder den Boardwagen an. Clevererweise habe ich jedoch nur die Surfschuhe dabei – die seither kein Profil mehr haben. Bei aufziehendem Gewitter erreiche ich den über Nürnberg hinaus bekannten Biergarten am Brückkanal, genau neben dem wildromantischen Schwarzachdurchbruch und der das Tal überspannenden Trogbrücke. Eine würdige Location um hier auf meinen Drohnenpiloten zu warten. (ab hier kann die Schwarzach als Kleinfluss mit einigen verfallenen Wehren theoretisch alternativ für die Schlussetappe genutzt werden, enthält aber drei Mühlenumtragungen, eine davon nervig). Nachdem sich das Gewitter verzogen hat greife ich die letzten 5km bis zum ehemaligen Luftkurort Wendelstein vor den Toren Nürnbergs an. Hier, an der ST2239 endet nach rund 200km und 5,5 Tagen meine Tour. Einmal mehr galt: man kann auch vor der Haustür spannende neue Eindrücke finden und kleine Abenteur erleben. Wer mit den öffentlichen an/abreist kann entweder in Wendelstein in den Bus nach Schwabach steigen, dort mit der Regionalbahn nach Pleinfeld und von dort eine Station bis Ramsberg (Einsetzort) fahren, oder er hängt noch ca. 2 Stunden dran und fährt bis zum Kanalende in Nürnberg-Gartenstadt und steigt am Busbahnhof Am Ludwigskanal in den Bus zum Bahnhof Eibach und von dort mit dem Zug zurück nach Ramsberg.

Die Fakten

Ausgangspunkt: Ramsberg am Großen Brombachsee

Streckenlänge: 200km (ohne Strömung – auf 230km erweiterbar bei Fahrt bis Töging & Nürnberg)
Empfohlene Dauer: 7 Tage (bei Rahmenprogramm (definitiv schöne Destination) länger möglich)

Gewässer: Großer Brombachsee, Kleiner Brombachsee, Brombachseeüberleiter, Altmühlsee, Altmühl, Main-Donau-Kanal, Ludwigskanal

Herausforderungen: Größere Umtragungen (Boardwagen! Überleitertunnel (4km), Beilngries (2,5km), Berching (1,5km), Schleuse 35-59 am Alten Kanal (8,5km) ), viele „wilde Umtragungen“ (Überleiter, Alter Kanal), Ende Mai – Herbst hohes Risiko der Veralgung des Kanals (keine Befahrung möglich),

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