SUP Erlebnis: Wildwasser-SUP-Test auf der Isar

„Wie, ihr fahrt stehend mit dem SUP die Isar runter? Ja geht denn das?“ Ja, es geht und am Ende unserer Tour bekommen wir sogar von mit uns paddelnden Kajakpaddler Szenenapplaus. Aber der Reihe nach. Jutta und ich sind beide infiziert vom Wildwasser-Virus. Und was liegt da näher, als endlich unsere Hausstrecke auf der Isar – zwischen Sylvensteinstausee und Bad Tölz – zu paddeln. Aber mit welchen Boards?

Wolfgang von der Firma CrosLake schickte uns auf meine Frage nach einem artgerechten Test eines Wildwasserboards sein aktuelles „River Wild 11.0 superlight“ inkl. Carbonpaddel „Marin“. Flo von der Firma Starboard stellt uns einen River 11‘ in der Kharma-Edition (Farbe: purple) für den Test zur Verfügung. 

Beide Boards sind gut vergleichbar, da sie beide 11.0 Fuß (ca. 335 cm) lang und 34 Zoll (ca. 86 cm) breit sind und eine Dicke von 6 Zoll (ca. 15 cm) haben. Das lila Starboard hat einen ausgeprägten „Rocker“, die spitze Nase ist also deutlich hochgezogen. Einzig die breite Nase des gelben CrosLake ist dagegen fast flach. Da sind wir ja mal gespannt, wie sich der fehlende Rocker des CrosLake auf dem Fluss bemerkbar machen wird.

Beide Boards haben jeweils 5 Haltegriffe: einen vorne und hinten, zudem zwei an jeder Seite und den klassischen Tragegriff in der Boardmitte. Zudem sind Gepäcknetzte im vorderen Bereich vorhanden, wobei die Zurgummis vom CrosLake ausgefeilter sind. Das Starboard hat 5 Finnen: jeweils links und rechts je 2 austauschbare Wildwasserfinnen und eine zentrale Finne zum Wechseln im US-Finnenkasten. Das CrosLake dagegen hat links und rechts je eine fest verklebte Wildwasserfinne und einen zentralen US-Finnenkasten für Wechselfinnen. Zu unserer Verwunderung wurde dem River Wild von CrosLake eine lange Tourenfinne beigelegt. Bei einem Wildwasser-SUP hätten wir eine Wildwasserfinne erwartet. Wolfgang schickte uns darauf hin angesprochen die neuesten Wildwasserfinnen von CrosLake, die pünktlich zu unserem Test eintrafen.

Jetzt aber aufs Wasser, die Isar ruft.

An unserem Testsamstag Anfang Juli war auf der Isar irgendwie wenig los – vielleicht lag es auch am ausgiebigen Regen die Tage davor. Der Abfluss am Pegel Lenggries versprach mit 29 m³/s um 8 Uhr morgens ein flottes Vergnügen. Die Boards waren schnell aufgepumpt. Bei den Pumpen von Starboard und CrosLake konnten wir kaum Unterschiede feststellen (Hersteller Fa. Bravo). Beide haben einen Hebel zum Umlegen, um zwischen Doppelhub und Einfachhub umzuschalten. Der Pumpe von CrosLake „fehlte“ lediglich der Schlauchanschluss zum Auspumpen des Boards.

Kaum auf dem Wasser testen wir erst mal das Verhalten der Boards und die Drehfreudigkeit. Beide Boards liegen wie Bretter auf dem Wasser und man kann ziemlich stabil darauf „laufen“. Beim Drehverhalten ist das CrosLake – geschuldet dem Drei-Finnen-Layout wesentlich agiler, das Starboard mit seinen 5 Finnen dreht etwas gemächlicher, hat dafür aber einen leicht besseren Geradeauslauf und ist – wie wir im Verlauf der Tour feststellen – schneller. Die erste Sohlschwelle nehmen wir stehend, Sohlschwelle 2 und 3 allerdings knieend. Danach geht es meist stehend oder im Indian-Stand weiter. Grundberührung haben wir nur in den Sohlschwellen 2/3 und kurz darauf an einer kleineren Stromschnelle/Kiesbank.

Wir sind allein auf der Isar unterwegs. Ja! An einem Samstagmittag, im Juli und außer ein paar freundlich grüßenden Anglern keine anderen Menschen weit und breit. Das haben wir hier noch nie erlebt! Uns umgibt die Bergwelt des Isarwinkels, von den Bergen kommt das Wasser in kleinen Wasserfällen herunter und uns begleitet streckenweise nur das Rauschen der Isar.

Fahrverhalten

Kurz vor dem Wehr Fleck wechseln wir die Boards. Wir sind beide gespannt, wie sich das jeweils andere Board verhält. Jutta fährt jetzt das CrosLake und ich das Starboard. Vom Fahrverhalten stellen wir beide fest, dass wir eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung haben. Wo ich das CrosLake trotz der sehr flachen Nase extrem stabil in den Flusswellen empfinde, fühlt sich für Jutta das Starboard deutlich stabiler und das CrosLake etwas kippeliger an. Das leichte Korrigieren der Richtung beim CrosLake mache ich unbewusst, da macht sich mein angestammter Paddelplatz und die damit verbundene Paddeltechnik hinten im Canadier positiv bemerkbar. Jutta dagegen empfindet das schnelle Drehen des CrosLake eher störend.

Am Wehr Fleck müssen wir die Boards über die Wehrkrone heben und ein Stück weiter unten in das Restwasser einsetzen. Dabei macht sich das deutlich leichtere Gewicht des CrosLake mit 10,6 kg sehr angenehm bemerkbar. Das Starboard mit seinen 14,4 kg bedeutet da schon mehr Arbeit. Wir wechseln an der „Isarburg“, die wir als WW3 Stelle nicht fahren, sondern umtragen noch einmal die Boards. Jeder von uns hat jetzt sein Board gefunden. Jutta nimmt das Starboard und ich das CrosLake. Wir werden immer mehr eine Einheit mit dem jeweiligen Board. Schade, dass nach 17 km unsere Tour bei Arzbach schon zu Ende geht.

Fazit

SUP-Boards für Spezialanwendungen wie Wildwasser sollte man unbedingt testpaddeln. Und Wildwasserboards sollten aus unserer Sicht zwingend im Wildwasser und nicht auf einem See getestet werden. Ein scheinbarer Nachteil, wie der fehlende Rocker des CrosLake (O-Ton auf Facebook: „Kein Rocker und das soll ein Wildwasserboard sein?“) müssen nicht zwingend ein Nachteil sein. Mein persönliches Popometer empfand das CrosLake – gerade durch den fehlenden Rocker – wesentlich stabiler bei Querwellen

Das CrosLake ist ein leichtes, gut verarbeitetes, preiswertes Wildwasser-SUP-Board mit einem Listenpreis von EUR 999,-. Die beiden Seitenfinnen sind fest verklebt und lassen sich nicht einfach austauschen. Lediglich die mitgelieferte lange Tourenfinne ist fehl am Platz und sollte vom Hersteller ab Werk gegen eine Flussfinne ausgetauscht werden. Aus unserer Sicht ist das CrosLake Wild River 11‘ für den normalen Freizeitpaddler der hin und wieder ins leichte bis mittelschwere Wildwasser (bis WW2) will uneingeschränkt zu empfehlen.

Das Starboard ist schwerer, wirkt dadurch haptisch robuster und hat vor allem alle Finnen auswechselbar. Sollte eine Finne im Wildwasser verloren gehen, so lässt sie sich schnell und einfach ersetzen. Es hat zudem einen deutlich ausgeprägten Rocker und riecht förmlich nach schwerem Wildwasser. Dafür ist es mit einem Listenpreis von EUR 1.519,- auch deutlich teurer. Starboard liefert sein River 11‘ gleich mit der River PH Finne aus und das Board ist damit aus dem Karton heraus voll einsatzfähig.


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