Frühlingserwachen
Zum Auftakt, nach meiner mehrmonatigen Paddelabstinenz, eröffne ich verspätet meine persönliche SUP-Saison auf dem Flüsschen Else. Der Streckenverlauf wechselt dabei einige male zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Als Wiedereinstieg ins Wasserwandern, sind die 10,8 km zwischen Bruchmühlen und Bünde schon mal ganz nett. Die bei https://de.windfinder.com vorhergesagte Windrichtung aus WSW ist ideal für die bevorstehende Aufgabe.
Als Stellplatz für mein Auto habe ich mich für den großzügigen und nahegelegenen Lidl Parkplatz entschieden.
Einstieg am Wehr
Die sich auf der anderen Uferseite befindende Betonkonstruktion, welche von mir als Einstieg ursprünglich favorisiert war, ist nicht wie geplant erreichbar. Denn da die Fußgängerbrücke, die bei Google Maps noch erkennbar ist, tatsächlich abgerissen wurde, begnüge ich mich mit der Befestigung des Wehres. Der Einstieg klappt auch hier sehr gut. Die Kaskaden von dem Wehr wollte ich meinem Brett und mir nicht zumuten. Das überlasse ich den sportlichen Kajakfahrern.
Auch heute leistet mir meine Paddelausrüstung, die ich seit 2014 besitze, anstandslos immer treue Dienste, unbeeindruckt der vielen anspruchsvollen Einsatzbedingungen, trotz der Leichtbaukonstruktion und der Tatsache, dass ich diese immer nass im Rucksack monatelang aufbewahrt habe. So soll man es eigentlich nicht machen, geschadet hat es aber anscheinend auch nicht.
Ganz nach dem Motto: "Zuhause ist man dort, wo man den Bauch nicht einziehen braucht" entspanne ich das Muskelkorsett um die Taille, atme tief durch und freue mich des Lebens, denn hier draußen in der Natur ist mein Platz. Kaum bin ich auf dem Wasser, drängen sich mir unweigerlich die Erinnerungen an die Amper auf, auch wenn der Abfluss des Ammersees um einiges reizvoller ist. Das gleiten durch offene Wiesen, im Wechsel mit Bäumen bewachsenen Ufern, vorbei an Ortschaften, der blau-weiße Himmel…. Es gibt einige Parallelen die einen Vergleich sehr nahe legen.
Wasserpflanzen und Pegel
Auch wenn der Pflanzenbewuchs noch etwas karg ist, so hat man zumindest das Flüsschen, bei 7 Grad Celsius Lufttemperatur, für sich allein. Im Sommer dürfte ein Durchkommen stellenweise schwierig werden, wenn der Pegel niedriger ist und auch noch die Wasserpflanzen die Passage erschweren. Ich bin heute bei einem Pegel von 30 cm unterwegs. Checkt vorher den Wasserpegel der Pegelstation Oberahle: Pegel Else
Bei unter 20 cm kann man sich die Anfahrt hierher zum Paddeln sparen und geht stattdessen lieber wandern, radeln oder in den Wildpark Diedrichsburg (die Erkundungsfunktion von Google Maps leistet gute Dienste).
Die erste kleine Herausforderung hinter Bruchmühlen, ist ein V-förmiger Einschnitt in einer Betonkonstruktion. Hier entweder Umtragen oder auf dem Brett kniend, durch die Verengung, eine kleine Rodeoeinheit wagen und mit gelockerter Hüfte mitten durch reiten. Habe mich für letzteres entschieden, zumal nach vorherigem Messen der Wassertiefe klar geworden ist, dass ich hier weniger als 1 m tief untergehen kann.
Gefahrenstellen unter Brücken
Als nächstes Hindernis folgt eine Betonbrücke mit einer sehr steinigen Untiefe und ist auf dem Brett kniend zu nehmen. Das Umtragen kann man sich sparen, denn generell hält die Finne härtere Schläge aus, als man glaubt.
Unter der darauffolgenden Brücke befindet sich eine steile Stufe. Diese Stelle ist unscheinbar, doch sie hat es in sich, was mir aber zu spät bewusst wurde. Wäre der Reißverschluss des Trockenanzugs auch die letzten cm bis oben hin komplett geschlossen, dann wäre mir auch die sehr erfrischende Spülung, bis auf die Haut, erspart geblieben. Rückblickend erscheint die Gefahrenstelle um so deutlicher. Das nächste mal vielleicht doch Umtragen. Man lernt nie aus.
An einigen Stellen verdeutlicht das Treibgut in den Ästen, wie hoch der Wasserstand vor einigen Monaten gewesen sein muss und zwar ca. einen Meter höher als jetzt.
Neben verschiedenen Gänsen und Enten, sind mir u.a. Fasane, Reiher, Rehe und ein perlmutt blau schimmernder Eisvogel begegnet. Die Tierwelt kümmern sich nicht um die menschlichen Sorgen und Probleme, die haben ihre eigenen und leben in ihrer Parallelgesellschaft. Das tun wir ja nicht anders.
Am Scheideweg - ein Fluß, zwei Möglichkeiten
Irgendwann teilt sich das Flüsschen. Die neue Else zweigt nach rechts ab. Ich entscheide mich frühzeitig für den linken Wasserverlauf und gegen die grüne Hölle, auch wenn es mit Schleppen verbunden ist. Die Leash leistet gute Dienste beim heben des Bretts auf die steile Böschung. Die vor mir liegende Wehranlage ist definitiv anders nicht gesund zu passieren.
Kurz darauf versperren einige umgestürzte Bäume den Weg. Wie lange diese wohl noch im Wasser liegen bleiben? Für Abwechslung sorgen sie allemal. Notfalls legt man sich hier auf das Brett und mogelt sich durch eine Lücke durch. Challenge accepted. Immernoch besser als umzutragen.
Die Umgebung wechselt häufig von offenen Wiesen zu von Bäumen umschlossenen Räumen, welche Spalier stehen. Wenn alles richtig grünt, dann dürfte es hier deutlich schöner sein.
Wiedervereinigung
Nach ein Paar Kilometern vereinigen sich wieder die neue und alte Else. Der Wasserweg wird merklich breiter und tiefer. Bodenkontakt ist ab jetzt kaum wahrscheinlich.
Es ist erfreulich, dass für die Else, auf dem heutigen Abschnitt, keine Einschränkungen gelten. Dennoch sind die üblichen Verhaltensregeln in der Natur angebracht; keinen unnötigen Lärm verursachen, den eigenen Müll mitnehmen, die Uferböschungen nicht unnötigerweise betreten, die Angler nicht verärgern usw.
Warum ich nicht weiter als nach Bünde gepaddelt bin? Weil für das Flüsschen zwischen km 8 und 3,5 ein ganzjähriges Befahrungsverbot auf der Aue besteht. Das Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich also von kurz hinter dem Elsestadion in Bünde bis zur Ortsmitte von Kirchlengern. Danach hat man wieder freie Bahn bis in die Werre und Weser. Aber das ist eine andere Tour.
Für Tourplanungen zum Wasserwandern, gibt es hier die aktuellen Befahrungsregelungen des Deutschen Kanu Verbandes für ganz Deutschland: https://www.kanu.de/Befahrungsregelungen-aktuell-55416.html
Nachdem die 10,8 km vom Start bis zum Ende in langsamen 2,5 Stunden zurückgelegt worden sind, geht es darum an passender Stelle wieder an Land zu gehen. Ich habe es nicht sehr geschickt gemacht, und bin einige hundert Meter hinter den Anlegern, unter einer Brücke, ans Ufer gegangen, was zu einer schlammigen Angelegenheit wurde. Das muss man nicht haben. Macht es bitte besser und nutzt rechtzeitig auf der rechten Seite die Anleger des Kanu-und Segel-Clubs.
Zurück mit dem Zug
Ab hier sind es knapp 1 km bis zum Bahnhof. Für 3,2 € geht es in 6 Minuten zurück nach Bruchmühlen und von dort nach kurzem Spaziergang zum Auto auf den Lidl Parkplatz. Was für ein schönes Ganzkörpertraining unsere Sportart doch ist.
Startpunkt: Bruchmühlen an der Else
Hinweise & Tipps: Siehe Tourbeschreibung. Parkmöglichkeiten in Bruchmühlen auf dem Lidl Parkplatz: Spenger Str. 8, 49328 Melle oder Umgebung. Anfahrt mit der Bahn nach Bruchmühlen, danach 800 m in 10 Minuten zu Fuß zum Einstiegsplatz. Oder mit dem Auto: Spenger Str. 8, 49328 Melle
Info zu Transfer zwischen Start- und Endpunkt: Rückfahrt per Bahn in nur 6 Minuten für 3,2 € von Bünde nach Bruchmühlen. Entfernung vom Wasserausstieg zum Bahnhof beträgt lediglich 1 km.
Pausenmöglichkeiten: Am Ufer beim Umtragen picknicken, in den Ortschaften gibt es diverse Cafés, Bäckereien, Restaurants, Supermärkte etc.
Gefahren: gefährliche Stelle (bitte Details in der Tourenbeschreibung lesen)
Eigenschaften: Wanderfluss
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Comment (1)
Ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen Bericht! Noch habe ich mich nicht auf Flüsse gewagt mit meinem Board, aber nächstes Jahr möchte ich das unbedingt probieren, denn immer nur auf gefälligen Seen oder am Ufer der Ostsee die Runde machen ist nach 2Sommern SUP-Erfahrung nicht befriedigend. Allerdings frage ich mich schon, ob mein Allrounder Board dafür geeignet ist? Aber einen Versuch mit Begleitung ist es wert. Die Else scheint geeignet und die Strecke überschaubar.