Test Trockenanzüge

Unser großer Test von Trockenanzügen 2020

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und die Zeit für Bikini und Badeshorts beim SUP Paddeln ist für dieses Jahr definitiv vorbei. Wollt ihr auch im Winter aufs Wasser gehen, so solltet ihr euch die Anschaffung eines Trockenanzuges überlegen. Damit Euch die Entscheidung leichter fällt, haben wir 7 aktuelle Modelle von Trockenanzügen von 5 Herstellern für euch getestet.

Die Anzüge für unseren Test wurden uns von den Herstellern zur Verfügung gestellt. Wir haben bewusst nach Trockenanzügen im unteren und mittleren Preissegment gefragt. Wichtig war uns, dass wir die Anzüge unter gleichen Bedingungen testen konnten. Wir sind mit jedem uns zur Verfügung stehenden Testanzug je eine SUP Tour mit mindestens 2 km Länge gepaddelt. Unserer Erfahrung nach merkt man erst mit der Zeit, wo ein Anzug seine Stärken und wo er seine Schwächen hat. Nach einer kurzen Platzrunde auf dem See würden wir uns kein Urteil erlauben. 

Die Trockenanzüge im Test

Die Trockenanzüge im Test

Folgende Anzüge haben wir für euch getestet (alphabetisch):

Material

Bei den Trockenanzügen werden unterschiedliche Stoffe verwendet. Das Material für die Anzüge ist entweder aus Stretch – also dehnbares Material – oder nicht dehnbares Material. Das dehnbare Material kann generell figurbetonter geschnitten werden. Es handelt sich bei allen Stoffen um 3- oder 4-lagige Materialien. Diese haben eine wasserundurchlässige, aber dampfdurchlässige Membran. Als technische Membran kommen unterschiedliche Fabrikate zum Einsatz (siehe Tabelle).

Die Atmungsaktivität unterscheidet sich bei den verwendeten Membranen teils erheblich. Dieses hat indirekt Auswirkungen auf den Windchill-Faktor der einzelnen Anzüge. Alle Trockenanzüge schützen euch vom Material her also vor allem perfekt gegen eindringendes Wasser. Aber sie bieten euch keine echte Wärmeisolation. Das merkt ihr spätestens, wenn ihr mit einem dieser Anzüge in kaltes Wasser steigt. Die Wärmeisolation erreicht ihr nur durch die passende Funktionsbekleidung unter dem Anzug. Ihr passt also die Wärme mit der Wahl eurer Funktionsbekleidung im Anzug individuell an, nach persönlichem Empfinden, Außentemperatur, Wind, etc. So paddeln wir im Herbst oder Frühjahr gerne mal mit Short und T-Shirt im Trockenanzug. Im Winter sind es dann dicke Funktionsklamotten aus Polartec (eine Art Fleece).

Schnitt der Anzüge:

Es gibt Unisexmodelle und Modelle speziell für Frauen. Bei Unisexmodellen ist der Schnitt generell etwas weiter – muss ja beiden passen. Für Frauen kann es gerade bei Unisexmodellen im Bereich Hüfte/Taille etwas unförmig aussehen. 

Spezielle Modelle für Frauen gibt es von Palm und Starboard. Hier ist der Schnitt auf die weibliche Physiognomie angepasst. 

Bei dem nicht dehnbaren Material wird generell mehr Stoff verarbeitet, um die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Dadurch wirken alle Anzüge aus dem nicht dehnbaren Material etwas klobiger.

Der Einstieg – Reißverschluss:

Vertikal, diagonal oder horizontal – jede Art von Reißverschluss und damit Einstieg in den Trockenanzug hat ihre Vor- und Nachteile. 

  • Der zentrale, vertikale Einstieg mit einem Reisverschluss vorne, von oben nach unten, ist der bequemste. Er hat aber den Nachteil, dass nur Neoprenhalsmanschetten verwendet werden können, die vorne durchbrochen sind. Latexmanschetten sind immer komplett geschlossene Tunnel und sind somit beim zentralen, vertikalen technisch nicht möglich. Achtet bei diesem Typ von Reißverschluss immer darauf, dass der Reißverschluss und der Verschluss der Neoprenmanschette korrekt geschlossen sind. Sonst sind diese nicht zu 100% dicht. Solltet ihr ins Wasser fallen und die Kragenmanschette ist nicht korrekt geschlossen, so wird hier immer etwas Wasser in den Anzug laufen. Müsst ihr auf die Toilette, so reicht es bei Männern den Reißverschluss zu öffnen, Frauen müssen den Anzug immer zur Hälfte ausziehen.
  • Diagonaler Frontreißverschluss – von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte: dies ist für Rechtshänder optimiert und es ist nicht ganz so bequem zum Einsteigen in den Trockenanzug wie beim vertikalen Reißverschluss. Man muss sich in den Anzug winden. Allerdings hat dieser Reißverschluss den Vorteil, dass er eine echte Latexmanschette am Hals zulässt. Dadurch ist der Anzug am Hals absolut dicht. Wollt Ihr auf die Toilette, herrscht bei diesem Anzug echte Gleichberechtigung – alle müssen hier mit dem Oberkörper aussteigen. Das gilt auch für die Arme.
  • Horizontaler Reißverschluss. Hier haben wir zwei verschiedene Versionen mit Test gehabt.  Bei Palm ist der Reißverschluss oben am Nacken. Dadurch habt ihr einen bequemen Einstieg von hinten in den Anzug. Allerdings ist die Hilfe eures Paddelpartners beim Öffnen und Schließen des Reißverschlusses gerne willkommen. Bei dem Damenmodell von Palm ist zudem ein zweiter Reißverschluss quer zur Hüfte angebracht. Ihr ahnt es schon: wollt ihr als Frauen auf die Toilette, müsst ihr lediglich den Reißverschluss an der Hüfte öffnen. Ihr müsst also nicht aus dem Trockenanzug aussteigen. Ähnlich verhält es sich mit dem an der Taille quer verbauten Reißverschluss vom Dryfashion Race II. Ihr steigt einfach in die Hose ein und dann in das Oberteil. Den Reißverschluss kann man ohne Hilfe leicht öffnen und schließen: Auch hier sind Frauen klar im Vorteil. Wollen Männer auf die Toilette, müssen sie komplett aus dem Oberteil aussteigen.

Wasserdichtigkeit – Latex- vs. Neoprenmanschetten:

Alle getesteten Trockenanzüge sind vom Material her absolut wasserdicht. Auch die Reißverschlüsse sind, obwohl verschiedene Fabrikate, sowie Qualitäten, Breiten und Größe der Zähne verwendet werden, absolut dicht. Wo wir aber kleinere, unkritische  Wassereintritte festgestellt haben, sind an den Neoprenmanschetten am Hals. Dies ist bauartbedingt und unabhängig vom Hersteller des Anzugs und somit kein Mangel. Die minimalsten Wassereintritte können im Bereich der Achillessehne an der Ferse vorkommen oder wenn – wie bei Jutta – das Handgelenk dünner ist und der Druck vom Neoprentunnel nicht ausreicht, hier sauber abzudichten. 

Etwas kritischer sind die durchbrochenen Halsmanschetten aus Neopren bei den zentralen Reißverschlüssen anzusehen. Wenn die Klettverschlüsse nicht absolut eng geschlossen werden, habt ihr hier das größte Potenzial für einen Wassereintritt. Am besten ist es, ihr tragt eine Schwimmweste und verhindert somit, dass dieser Bereich beim Sturz unter Wasser kommt.

Aber auch Latexmanschetten haben ihre Nachteile: bei Andreas schließen alle Latexmanschetten am rechten Fuß nur zu 99,9% – einer ausgeprägte Achillessehne sei Dank.

Solltet ihr eine Latex-Allergie haben, solltet ihr nur Anzüge mit überall verbauten Neoprenmanschetten kaufen. Die engen Latextunnel können auch zu „dicken Beinen“ führen, da die Zirkulation von Blut und Lymphe bei zu engem Sitz behindert werden können.

Wer weder Latex oder Neopren an den Füßen haben will, sollte sich die Modelle mit Cordura-Füßlingen ansehen. Allerdings müssen die Füßlinge zu eurer Schuhgröße passen. Juttas Anzug aus Kanuzeiten passt perfekt, hatte damals aber zu kleine Füßlinge. Dies ist beim Kauf nicht aufgefallen und hat sich erst im harten Einsatz auf dem Wasser gezeigt.

Tipp für die Modelle mit Halsmanschette aus einem Latex- oder Neoprentunnel: zieht eine Mütze auf, bevor ihr euren Kopf durch den Tunnel zwängt. Es flutscht dann leichter. Und noch ein Hinweis zu den Latexmanschetten: diese werden mit der Zeit weicher. Wir haben bis heute nie eine Manschette – wie manchmal bei zu engen Manschetten empfohlen – gekürzt, lediglich mit Talkum pfleglich behandelt.

Pflegehinweise zu Latex und Neopren

Neopren ist generell sehr pflegeleicht. Latex sollte dagegen gut gepflegt werden. Hier gibt es spezielle Produkte von den Herstellern. Wir haben auch gute Erfahrung mit reinem Talkum gemacht. Talkum bekommt ihr in der Apotheke. Babypuder beinhaltet neben Talkum weitere Stoffe, denen man nachsagt, dass sie langfristig dem Latex schaden. 

Achtet unbedingt bei Latextunneln darauf, dass ihr keine spitzen Ringe, Armbänder oder ähnliches tragt. Achtet auch auf spitze Fingernägel. Auch Uhren müsst ihr ausziehen, da sonst große Gefahr besteht, dass der Latex einreißt. Beim Einsteigen in die Beine achtet darauf, dass ihr nicht auf spitze Steine tretet, dies kann die Fußmanschetten beschädigen. Am besten ihr setzt euch zum Anziehen der Beine hin. 

Nach der Benutzung eures Trockenanzuges muss dieser zu 100% trocknen, bevor ihr ihn einlagert.

Pflegehinweis für die Anzüge

 Nach der Benutzung eures Anzuges solltet ihr ihn mit klarem, handwarmen Wasser spülen. Bei starkem Geruch kann man zusätzlich auch spezielle Waschmittel aus dem Fachhandel benutzen. Aber bitte wascht euren Anzug nur per Hand. 

Für die Pflege der Reißverschlüsse legen die Hersteller kleine Tuben oder Stifte mit Siliconfett bei. Damit behandelt ihr von Zeit zu Zeit die vorher gesäuberten Reißverschlüsse. 

Wie haben wir getestet?

Jetzt aber genug der Theorie. Wir wollten ja auch die Anzüge testen. Wir haben an drei Tagen alle 7 Anzüge getestet. An den Testtagen hatten wir vergleichbare Bedingungen: 6-9°C Lufttemperatur und ca. 12°C Wassertemperatur. Wir hatten jedes Mal einen Sonne-Wolken-Mix. Die Windverhältnisse waren perfekt beim Test: von Windstille bis moderaten Nordwestwind bei 1-2 bft. war alles im Mix dabei. Mit jedem Anzug sind wir mindestens 2 km am Stück gepaddelt. 

Hier geht es zu den Einzeltests der Trockenanzüge:

Fazit

Insgesamt haben wir 7 Anzüge von 5 Herstellern getestet. Wichtigstes Fazit für uns: wir können eigentlich jeden Anzug empfehlen. Warum? Alle getesteten Anzüge erfüllen zu 100% unsere Kernanforderungen – sie sind absolut wasserdicht und bei allen sind die Nähte sauber verarbeitet. Es kommt letztendlich auf Eure Vorlieben und euren Körperbau an, welcher Trockenanzug für Euch und Euer Paddelprofil am besten ist. Den für euch optimalen Anzug findet ihr sicher bei guter Beratung im Fachhandel.

nach dem Test

Comments (4)

  • Ilka Reply

    Hallo und vielen Dank für diesen ausführlichen Produkttest. Mich würde interessieren, welche Größe ihr beim Marinepool SUP Light Trockenanzug probiert habt und wir groß Jutta ist. Vielleicht gelingt es mir darüber, mir die exakte Größe für mich zu ermitteln. Würde mich sehr über eine Rückmeldung freuen!

    24. Oktober 2020 at 0:53
  • Claudia
    Claudia Reply

    Nach eurem Test habe ich mir den Starboardanzug gekauft und heute bei 7 Grad und Sonne eingeweiht. Einfach nur perfekt.

    20. November 2020 at 22:08
  • Bertl Reply

    Ich möchte hier meine Lösung für die kalte Jahreszeit vorstellen. Man braucht keinen 600€ Trockenanzug.
    Normaler 4-5 mm Neoprenanzug für Windsurfen, auf keinen Fall einen Taucheranzug. ich nehme einen 5/3 das heisst, Beine und Körper 5 mm, Arme und schultern 3 mm. Darüber aus dem Kajaksport eine Paddeljacke mit dichten Handmanschetten und Halsmanschette. Das genügt auch bei Wassertemperaturen unter 10 grad denn wenn man reinfällt ist man in ein paar sekunden wieder auf dem Board.
    Der Vorteil des Neoprenanzug gegenüber dem Teockenanzug ist dass man ihn auch am Meer in der Welle verwenden kann und wenn er mal einreisst füllt er sich nicht mit Wasser sondern hält immer noch warm.
    Dazu 5mm Neoprensocken oderSurfschuhe mit ganz weicher Sohle.
    Bei den Handschuhen finde ich ich die Open Palm aus dem Windsurfshop ganz gut,
    Wenns kälter ist geschlossene Fäustlinge. (Ruhig eine Nr grösser damit man die Finger noch bewegen kann.)
    Und immer in Ufernähe bleiben. Keine km langen Seeüberquerungen.
    Immer das Handy in wasserdichter Tasche mitnehmen.

    1. September 2022 at 9:47
    • Andreas
      Andreas Reply

      Aloha Bertl,
      Ja, das ist natürlich auch eine gute Lösung und sicher für viele der preiswertere Einstieg in die Paddelei in der kühlen Jahreszeit.
      Unserer Erfahrung nach ist halt leider das Kälteempfinden sehr individuell. Für uns persönlich bietet ein Trockenanzug – im Gegensatz zum Neoprenanzug – einen sehr weiten Spielraum, da man sich darunter nach dem Zwiebelprinzip anziehen kann. Ein Trockenanzug kann eigentlich nur im stark bewegten Wasser Gefahr laufen zu reißen. Deswegen sind ja Trockenanzüge fürs Wildwasser immer aus stärkeren Material gefertigt.
      Und klar, geht es in die Welle am Meer, hat ein Neoprenanzug deutliche Vorteile gegenüber dem Trockenanzug.
      Ich denke, jeder muss das individuell auf seine Bedürfnisse und Einsatzgebiete abstimmen.
      Immer ne handbreit Wasser unter der Finne,
      Andreas | SUPscout.de

      2. September 2022 at 9:16

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